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60 oder 120 fps? Warum die Bildrate beim Gaming so wichtig ist

60 oder 120 fps? Warum die Bildrate beim Gaming so wichtig ist

Kaum eine Zahl wird in Gaming-Kreisen so intensiv diskutiert wie die Bildrate, gemessen in „frames per second" oder kurz fps. Während manche Spieler den Unterschied zwischen 60 und 120 fps kaum wahrnehmen, schwören andere darauf, dass sich jede zusätzliche Bildrate spürbar auf die Reaktionsfähigkeit auswirkt. Was steckt technisch dahinter, und wann lohnt sich eine höhere Bildrate tatsächlich?

Was die Bildrate überhaupt bedeutet

Die Bildrate gibt an, wie viele einzelne Bilder pro Sekunde von der Grafikkarte berechnet und auf dem Bildschirm dargestellt werden. Bei 30 fps wird alle 33 Millisekunden ein neues Bild angezeigt, bei 60 fps bereits alle 16,7 Millisekunden und bei 120 fps sogar alle 8,3 Millisekunden. Je kürzer dieser Abstand, desto flüssiger wirkt Bewegung auf dem Bildschirm, und desto aktueller ist die dargestellte Spielsituation gegenüber der tatsächlichen Eingabe des Spielers.

Input-Lag: Der eigentliche Grund für den Unterschied

Der spielbare Unterschied zwischen verschiedenen Bildraten liegt weniger in der reinen optischen Flüssigkeit als vielmehr im sogenannten Input-Lag – der Zeit, die zwischen einer Eingabe des Spielers und der sichtbaren Reaktion auf dem Bildschirm vergeht. Bei niedrigerer Bildrate vergeht zwangsläufig mehr Zeit, bis eine Eingabe tatsächlich visuell dargestellt wird, was sich in schnellen, reaktionsbasierten Spielen wie kompetitiven Shootern deutlich bemerkbar macht. In langsameren, story-orientierten Spielen fällt dieser Unterschied dagegen meist deutlich weniger ins Gewicht.

Warum 60 fps lange als Standard galt

Über viele Jahre galten 60 fps als praktischer Goldstandard, insbesondere im Konsolenbereich, weil sie einen guten Kompromiss zwischen visueller Flüssigkeit und erforderlicher Rechenleistung darstellten. Die meisten Fernseher und Monitore waren zudem lange auf eine Bildwiederholrate von 60 Hz ausgelegt, wodurch höhere Bildraten ohnehin nicht vollständig dargestellt werden konnten, selbst wenn die Hardware sie theoretisch hätte berechnen können.

120 fps und höher: Der neue Standard bei kompetitiven Titeln

Mit dem Aufkommen von Monitoren und Fernsehern mit 120 Hz oder höherer Bildwiederholrate hat sich das Zielbild deutlich verschoben. Aktuelle Konsolen wie die Xbox Series X und die PlayStation 5 Pro unterstützen in kompatiblen Titeln inzwischen 120 fps, was insbesondere in schnellen Mehrspieler-Shootern einen spürbaren Wettbewerbsvorteil bringen kann. Am PC gehen ambitionierte Spieler mit speziellen Wettkampf-Monitoren sogar deutlich über 120 Hz hinaus, oft bis zu 240 oder 360 Hz, wobei der wahrnehmbare Zusatznutzen jenseits von etwa 144 Hz für die meisten Spieler zunehmend gering ausfällt.

Bildwiederholrate des Monitors muss mithalten

Eine hohe von der Grafikkarte berechnete Bildrate bringt allerdings nur dann den vollen Nutzen, wenn auch der Monitor eine entsprechend hohe Bildwiederholrate unterstützt. Ein Display mit nur 60 Hz kann grundsätzlich keine 120 Bilder pro Sekunde flüssig darstellen, selbst wenn die Grafikkarte diese problemlos berechnet. Wer in eine höhere Bildrate investieren möchte, sollte deshalb zuerst prüfen, ob der eigene Monitor überhaupt mithalten kann – unsere Kaufberatung für Gaming-Monitore geht genau auf diesen Zusammenhang näher ein.

Der Kompromiss zwischen Bildrate und Grafikqualität

Auf Konsolen bieten viele aktuelle Spiele einen wählbaren Grafikmodus: einen „Qualitätsmodus" mit höherer Auflösung und aufwendigeren Grafikeffekten bei meist 30 oder 60 fps, sowie einen „Performance-Modus", der zugunsten einer höheren Bildrate bei Auflösung oder Effekten Abstriche macht. Welcher Modus die bessere Wahl ist, hängt stark vom Spielgenre ab: Bei atmosphärischen Story-Spielen überwiegt für viele Spieler die visuelle Qualität, während bei kompetitiven Mehrspieler-Titeln die Reaktionsfähigkeit meist wichtiger ist als maximale Bildschärfe.

Variable Bildwiederholrate (VRR) als Ergänzung

Technologien wie variable Bildwiederholrate (VRR) synchronisieren die Bildwiederholrate des Monitors dynamisch mit der tatsächlich berechneten Bildrate der Grafikkarte, statt auf einen festen Wert zu setzen. Das reduziert sichtbares Bildreißen (Screen Tearing) und sorgt für ein insgesamt flüssigeres Erlebnis, selbst wenn die Bildrate innerhalb eines Spiels schwankt – etwa bei besonders aufwendigen Explosionseffekten, die kurzzeitig mehr Rechenleistung fordern als ruhigere Spielszenen.

Bildratenmessung: Von internen Zählern bis zu externen Tools

Wer die tatsächliche Bildrate eines Spiels präzise überprüfen möchte, kann auf verschiedene Werkzeuge zurückgreifen, von integrierten Overlay-Anzeigen moderner Grafikkartentreiber bis zu spezialisierter Drittanbieter-Software, die zusätzlich Frametime-Schwankungen sichtbar macht. Eine konstant hohe Durchschnittsbildrate allein sagt dabei noch nicht alles aus: Kurzzeitige Einbrüche, sogenannte Frame-Time-Spikes, können sich trotz hoher Durchschnittswerte als spürbares Ruckeln bemerkbar machen. Für ein wirklich flüssiges Spielgefühl ist deshalb neben der reinen Durchschnittsbildrate auch eine möglichst gleichmäßige, konsistente Framezeit über die gesamte Spielsession hinweg entscheidend.

Wahrnehmungsgrenzen: Ab wann Unterschiede kaum noch auffallen

Nicht jeder Mensch nimmt Unterschiede in der Bildrate gleich stark wahr. Der Sprung von 30 auf 60 fps ist für praktisch jeden Spieler sofort und deutlich spürbar, während der Unterschied zwischen etwa 144 und 240 fps selbst für geübte, kompetitive Spieler zunehmend subtiler ausfällt und stark vom individuellen Reaktionsvermögen sowie von der Vertrautheit mit hohen Bildraten abhängt. Gelegenheitsspieler berichten häufig, dass sie oberhalb von rund 90 bis 120 fps kaum noch einen bewussten Unterschied wahrnehmen, während ambitionierte Wettkampfspieler auch feinste Unterschiede im Millisekundenbereich als spürbaren Vorteil einschätzen.

Frame Generation: Höhere Bildrate durch KI-Interpolation

Eine relativ neue Technik zur Steigerung der wahrgenommenen Bildrate ist Frame Generation, bei der eine Grafikkarte mittels KI-Algorithmen zusätzliche, künstlich berechnete Zwischenbilder zwischen tatsächlich gerenderten Frames einfügt. Das kann die angezeigte Bildrate deutlich erhöhen, ohne dass die Grafikkarte jedes einzelne Bild vollständig neu berechnen muss. Wichtig zu wissen: Diese künstlich generierten Zwischenbilder verbessern zwar die optische Flüssigkeit, reduzieren aber nicht den tatsächlichen Input-Lag, da sie auf bereits vergangenen Eingaben basieren – für kompetitive Spieler ist deshalb weiterhin die nativ gerenderte Bildrate die relevantere Kennzahl als die durch Interpolation künstlich erhöhte Gesamtzahl.

Bildrate bei Handheld-Konsolen

Bei mobilen Handheld-Geräten gilt oft ein anderer Kompromiss als bei stationären Konsolen oder Gaming-PCs, da die verfügbare Akkukapazität und die kompaktere Kühlung die maximale Rechenleistung stärker begrenzen. Viele aktuelle Handhelds bieten deshalb einen expliziten Wahlmodus zwischen höherer Auflösung bei niedrigerer Bildrate und geringerer Auflösung bei dafür höherer, flüssigerer Bildrate. Wie sich zwei populäre Vertreter dieser Geräteklasse konkret unterscheiden, zeigen wir in unserem Vergleich Nintendo Switch 2 vs Steam Deck OLED, der genau auf diese Leistungskompromisse eingeht.

Fazit: Nicht jeder braucht die maximale Bildrate

Für kompetitive Mehrspieler-Titel lohnt sich eine möglichst hohe Bildrate fast immer, da der reduzierte Input-Lag einen echten spielerischen Vorteil bringen kann. Für entspannte Singleplayer-Erlebnisse mit Fokus auf Grafik und Atmosphäre ist eine stabile Bildrate von 60 fps hingegen für die meisten Spieler völlig ausreichend, während zusätzliche Grafikpracht oft den größeren spürbaren Unterschied macht als eine weitere Verdopplung der fps-Zahl.