Künstliche Intelligenz

Siri AI und Apple Intelligence in iOS 27: Was der neue Assistent kann und wo er fehlt

Siri AI und Apple Intelligence in iOS 27: Was der neue Assistent kann und wo er fehlt

Apple hat am 14. September 2026 mit iOS 27, iPadOS 27, macOS 27, watchOS 27 und visionOS 27 die nächste Generation von Apple Intelligence veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht Siri AI, eine komplett neu aufgebaute Version des Sprachassistenten. Für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland enthält die Ankündigung allerdings einen wichtigen Haken: Zum Start ist Siri AI auf iPhone, iPad und Apple Watch in der EU nicht verfügbar. Wir erklären, was der neue Assistent können soll, welche Funktionen unabhängig davon ankommen und worauf man achten sollte.

Was Siri AI laut Apple ausmacht

Siri AI soll deutlich gesprächiger und leistungsfähiger sein als der bisherige Assistent. Apple nennt vier Säulen: das Verstehen des persönlichen Kontexts, breites Weltwissen, Bildschirmerkennung und mehr systemweite App-Aktionen. Konkret soll Siri Informationen aus Nachrichten, Mails und Fotos heraussuchen, Fragen zu nahezu jedem Thema beantworten und Aufgaben über mehrere Apps hinweg erledigen.

Ein Beispiel aus der Ankündigung: Fragt man Siri, welche Aktivität ein Familienmitglied für einen bevorstehenden Besuch vorgeschlagen hat, kann der Assistent in den Nachrichten nachsehen, dass gemeinsames Backen eines Familienrezepts gewünscht war, das Rezept aus einer früheren Mail des Verwandten heraussuchen und die Zutaten in die Einkaufsliste der Erinnerungen-App eintragen. Solche verketteten Aufgaben sind der Kern dessen, was man in der Branche als agentisches Verhalten bezeichnet; unser Beitrag zu KI-Agenten erklärt die Grundlagen.

Mit der Bildschirmerkennung kann man Siri Fragen zum aktuell angezeigten Inhalt stellen. Beispiel von Apple: Auf der Webseite eines Sportteams lässt sich nach allen anstehenden Heimspielen fragen, die dann direkt in den Kalender wandern. Zusätzlich greift das System laut Apple auf Informationen aus dem Internet zu, um aktuelle Antworten zu liefern, etwa zu Spielergebnissen oder Reisetipps.

Neue Bedienung und die eigene Siri-App

Siri lässt sich weiterhin mit „Hey Siri“ aufrufen, auf dem iPhone außerdem über die Seitentaste oder mit einem Wischen von der Dynamic Island nach unten. Auf iPad und Mac ist Siri AI in Spotlight integriert und in Kontextmenüs eingebunden, sodass man per Control-Klick Fragen zu Bildern, Dateien oder Texten stellen kann. Auf der Vision Pro erscheint Siri als 3D-Visualisierung, die im Raum platziert werden kann.

Neu ist eine eigene Siri-App, in der man frühere Unterhaltungen nachlesen oder neue starten kann. Die Verläufe werden laut Apple über iCloud privat zwischen den Geräten synchronisiert. Hinzu kommen ausdrucksstärkere Stimmen, deren Tempo und Lebendigkeit sich einstellen lassen, sowie eine verbesserte Diktierfunktion auf Geräten, die Apples fortschrittlichstes On-Device-Modell namens „AFM Core Advanced“ unterstützen.

Visuelle Intelligenz und Schreibhilfen

Die visuelle Intelligenz erweitert Apple auf iPad, Mac und Vision Pro. Auf dem iPhone gibt es in der Kamera-App einen neuen Siri-Modus, um Informationen zu Objekten vor der Linse abzurufen; Apples Beispiel ist ein Festivalplakat, aus dem Siri Spielzeiten heraussucht und mehrere Kalendereinträge anlegt. Auf dem iPad ist die Funktion im Screenshot-Dialog eingebunden, auf dem Mac gibt es ein eigenes Tastaturkürzel. Wie solche Verfahren technisch mit Bild, Ton und Text arbeiten, erläutert unser Beitrag zu multimodaler KI.

Beim Schreiben unterstützt Siri fast überall, wo man tippt: Nutzer beschreiben, was sie brauchen, und erhalten einen Entwurf, den sie durch Anweisungen anpassen können. In Mail und Nachrichten soll Siri berücksichtigen, wie man üblicherweise mit dem jeweiligen Empfänger kommuniziert, einschließlich Zeichensetzung und Tonfall. Zudem korrigiert Apple Intelligence Texte automatisch beim Tippen, auch in den meisten Apps von Drittanbietern.

Weitere Funktionen im Alltag

  • Fotos: „Spatial Reframing“ verändert nachträglich die Kameraperspektive, „Extend“ erweitert das Motiv, und „Clean Up“ entfernt Störendes mit realistischerem Hintergrund.
  • Image Playground: Ein neues generatives Modell auf der Private Cloud Compute erzeugt Bilder in nahezu jedem Stil, nun auch fotorealistisch. Künftig soll SynthID helfen, mit Apple Intelligence erzeugte Bilder zu erkennen.
  • Safari: Tabs werden automatisch nach Themen gruppiert, „Notify Me“ warnt bei Änderungen an Webseiten wie Preissenkungen, und eigene Erweiterungen lassen sich per Beschreibung bauen.
  • Mail und Nachrichten: Intelligente Antworten orientieren sich am persönlichen Schreibstil.
  • Telefon, Kalender, Kurzbefehle, Home: „Call Context“ zeigt beim Anruf bei einem Unternehmen relevante Infos wie Bestätigungscodes, Termine lassen sich per Beschreibung anlegen, Kurzbefehle per Beschreibung erstellen, und die Home-App beschreibt Kameraclips und durchsucht sie kameraübergreifend.

Später im Jahr folgen Audio-Funktionen und Gesundheitsfunktionen; dazu gehören eine neue Gesundheits-App mit Insights- und Longevity-Reiter. Wie sich Assistenten auf der Uhr entwickeln, beschreibt unser Beitrag KI in der Smartwatch.

Wichtig für Deutschland: EU, Sprache und Geräte

Diese Punkte sind für uns die entscheidenden Informationen der Ankündigung. Erstens: Siri AI startet als Beta in englischer Sprache. Französisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch und Spanisch sollen im Oktober folgen; Deutsch ist in der Liste nicht enthalten. Zweitens: Laut Apple ist Siri AI zum Start in der EU auf iOS, iPadOS und watchOS nicht verfügbar, ebenso wenig Funktionen, die darauf beruhen. Das Unternehmen erklärt, es arbeite an einem Weg, der Datenschutz und Sicherheit wahre. Drittens: Für China gilt ein ähnlicher Vorbehalt wegen regulatorischer Anforderungen. Was die Ankündigung nicht sagt, ist, warum genau; wir spekulieren deshalb nicht über Ursachen. Ein Blick auf den rechtlichen Rahmen in Europa hilft aber beim Einordnen, etwa im Beitrag zum EU AI Act.

Apple Intelligence selbst, also die übrigen Funktionen, unterstützt laut Apple Deutsch als Geräte- und Siri-Sprache, ebenso Dänisch, Niederländisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Norwegisch, Portugiesisch, Spanisch, Schwedisch, Türkisch, Vietnamesisch, Chinesisch, Japanisch und Koreanisch. Nicht jede Funktion steht aber in jeder Sprache oder Region bereit. Kompatibel sind iPhone 16 und neuer, iPhone 15 Pro und Pro Max, iPad mini mit A17 Pro, iPads mit M1 oder neuer, Macs mit M1 oder neuer, das MacBook Neo mit A18 Pro, Apple Vision Pro sowie Apple Watch Series 9 oder neuer, Ultra 2 oder neuer und SE 3 mit gekoppeltem iPhone.

Google-Modelle unter der Haube und Datenschutz

Bemerkenswert ist ein Detail: Die neuen Funktionen laufen auf der nächsten Generation der Apple Foundation Models, die laut Ankündigung in Zusammenarbeit mit Google und dessen Gemini-Modellen entwickelt wurden. Sie laufen sowohl auf dem Gerät als auch auf Servern über Private Cloud Compute. Apple betont, dass persönliche Daten bei Anfragen auf dieser Infrastruktur weder gespeichert noch für Apple oder Dritte zugänglich sind und dass externe Experten diese Zusage überprüfen können. Wer sich grundsätzlich für den Umgang mit Daten bei KI-Diensten interessiert, findet Hilfestellung in unserem Beitrag Was passiert mit Ihren Daten bei ChatGPT und Co.?. Zudem weist Apple darauf hin, dass Funktionen mit serverseitigen Modellen täglichen Nutzungsgrenzen unterliegen und ein erweiterter Zugang in Zukunft kostenpflichtig werden kann.

Einordnung

Siri AI ist der wohl größte Umbau des Assistenten seit seiner Einführung. Der Ansatz ist nachvollziehbar: Persönlicher Kontext auf dem Gerät ist der Vorteil, den Apple gegenüber reinen Chat-Diensten ausspielen will. Die Praxis wird entscheiden, wie zuverlässig die Verkettung von Aufgaben funktioniert, denn Assistenten machen Fehler; unser Text zu Halluzinationen bei Chatbots zeigt, warum Kontrolle sinnvoll bleibt. Hinzu kommt der Beta-Status.

Fazit

Die technische Ambition ist hoch, doch für Leserinnen und Leser in Deutschland bleibt der Praxisnutzen von Siri AI vorerst begrenzt: kein Start in der EU auf iPhone, iPad und Uhr, zunächst nur Englisch. Wer sich ein neues Gerät wegen dieser Funktion zulegen will, sollte damit warten, bis Apple einen konkreten Termin für die EU nennt. Die übrigen Apple-Intelligence-Funktionen wie Fotobearbeitung, Safari-Werkzeuge und Schreibhilfen stehen dagegen mit iOS 27 bereit und sind ein guter Grund, ein kompatibles Gerät zu aktualisieren. Prüfen Sie vorab, ob Ihr Gerät auf der Kompatibilitätsliste steht, und behalten Sie die Nutzungsgrenzen im Blick.